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In der traditionellen indischen Grammatik unterscheidet man bei den Suffixen, mit denen Nominalstämme gebildet werden:
Schema:
Wurzel + kṛt-Suffix » Nominalstamm usw. + taddhita-Suffix » neuer Nominalstamm usw.
Nominalstamm + Kasusendung » syntaxfähiges Nomen
kṛt (kṛdanta) = कृत् (कृदन्त)
taddhita
Einteilung nach dem Ablaut:
Das kṛt-Suffix -a bildet maskuline (seltener neutrale) Substantive, die eine Handlung oder einen Zustand bezeichnen, der durch die Wurzel bezeichnet wird; manchmal auch Adjektive oder Substantive, die den Agens (kartṛ) der von der Verbalwurzel bezeichneten Handlung ausdrücken. Für kurze Penultima (= Vokal vor Konsonant, auf den die Wurzel auslautet) oder auslautenden Wurzelvokal wird meist Hochstufe (guṇa) oder Dehnstufe (vṛddhi) substituiert.
Beispiele:
| Wurzel धातु | + -a (kṛt) | Bedeutung |
|---|---|---|
| ji 1 P आप् "siegen" | jaya m. जय | "das Siegen, der Sieg" |
| muh 4 P मुह् "verwirrt sein" | moha m. मोह | "Verwirrung, Verblendung, Irrtum" |
| krudh 4 P क्रुध् "zürnen" | krodha m. क्रोध | "Zorn" |
| kup 4 P कुप् "zürnen" | kopa m. कोप | "Zorn" |
| lubh 4 P लुभ् "begehren" | lobha m. लोभ | "Begierde" |
| labh 1 Ā लभ् "bekommen" | lābha m. लाभ | "das Bekommen, Gewinn" |
| sṛj 6 P सृज् "loslassen, emanieren lassen" | sarga m. सर्ग | "das Loslassen, die Emanation, die Schöpfung" (zum Wortsandhi j » g siehe später) |
| śru 5 P श्रु "hören" | śrava m. श्रव | "das Hören" |
| bhū 1 P भू "werden, sein" | bhāva m. भाव | "das Werden, das (etwas) Sein, Natur, Charakter" |
| yudh 4 Ā युध् "kämpfen" | yodha m. योध | "Kämpfer, Krieger, Soldat" |
Das kṛt-Suffix -ana bildet meist neutrale Substantive, die eine Handlung, einen Zustand oder das Mittel bzw. Werkzeug bezeichnen, durch welches die von der Wurzel oder einem Verbalstamm bezeichnete Handlung zustande gebracht wird. Für eine kurze Penultima oder einen auslautenden Vokal der Wurzel wird gewöhnlich Hochstufe (guṇa) substituiert.
Beispiele:
| Wurzel धातु | + -ana (kṛt) | Bedeutung |
|---|---|---|
| gam 1 P गम् "gehen" | gamana n. गमन | "das Gehen" |
| nī 1 U नी "führen" | nayana n. नयन | "(das Werkzeug des Führens, d.h.) Auge" |
| śru 5 P श्रु "hören" | śravaṇa n. श्रवण | "(Hörwerkzeug =) Ohr" |
| kṛ 8 U कृ "tun" | kāraṇa n. कारण | "(das, wodurch etwas getan wird, d.h.) Ursache, Grund" |
| bhū 1 P भू "werden" | bhavana n. भवन | "das Werden, Entstehen" |
| dṛś 4 P दृश् "sehen" | darśana n. दर्शन | "das Sehen, Sichtweise, philosophisches System, Erscheinung, speziell: Darśan" |

Abb.: Maa Batakali Darshan, Puri, Orissa
(Bildquelle: Details)
"Darshan" oder "Darshana" ist ein Begriff aus dem Hinduismus für die Sicht und Vision des Heiligen und Göttlichen. Unter Darshana wird z.B. das offizielle Treffen von Schüler und Meister verstanden, bei dem der Schüler vom Meister geladen wurde. Es kann aber auch das sich Versenken beim Betrachten eines Götterbildes bedeuten. Letztere Bedeutung ist diejenige, die im heutigen Sprachgebrauch des Hindi die häufigste ist. Im Zusammenhang mit Mata Amritanandamayi bedeutet Darshan die Umarmung durch den Guru.
Fromme Hindus gehen in den Tempel um die Sicht Gottes durch ein Symbol oder eine Statue, in der die geistige Anwesenheit der Gottheit angenommen wird, zu erlangen. In diesem Sinne auch eine Segnung durch die Gottheit. Darshan kann jedoch auch durch eine Vision der Gottheit bei Gebet oder der Meditation empfangen werden. Auch eine lebendige Person, die als Inkarnation der Gottheit angesehen wird, wie z. Bsp. ein Avatara, kann Darshan geben.
(Quelle: Wikipedia)
Das kṛt-Suffix -tra bildet (meist) neutrale Substantive, welche das Mittel oder Werkzeug bezeichnen, durch welches die von der Wurzel bezeichnete Handlung zustande kommt. Kurze Penultima und auslautender Vokal der Wurzel wird durch Hochstufe (guṇa) ersetzt.
Beispiele:
| Wurzel धातु | + -tra (kṛt) | Bedeutung |
|---|---|---|
| nī 1 U नी "führen" | netra n. नेत्र | "(Mittel des Führens =) Auge" |
| śru 5 P श्रु "hören" | śrotra श्रोत्र | "(Hörwerkzeug=) Ohr" |
| man 4 Ā मन् "denken" | mantra m. (!) मन्त्र | "(Denkwerkzeug:) Spruch, 'magische' Formel (Mantra)" |
| tan 8 U तन् "aufspannen" | tantra n. तन्त्र | "Webkette" |
Das Ur-Mantra Oṃ (ॐ) in verschiedenen indischen Schriften
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|---|---|
| In Devanāgarī | In Bengali Schrift |
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| In Kannaresischer Schrift | In Tamil-Schrift |
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| In Malayalam-Schrift | Jaina-Oṃ |
(Bildquellen: Details)
Das kṛt-Suffix -ti bildet feminine Substantive, die im Allgemeinen die von der Wurzel bezeichnete Handlung oder den von der Wurzel bezeichneten Zustand ausdrückt. Die Form der Wurzel ist tiefstufig.
Beispiele:
| Wurzel धातु | + -ti (kṛt) | Bedeutung |
|---|---|---|
| śru 5 P श्रु "hören" | śruti f. श्रुति | "das Hören, der Veda" |
| smṛ 1 P स्मृ "vergegenwärtigen" | smṛti f. स्मृति | "Das Vergegenwärtigen, Erinnerung, Überlieferung, Achtsamkeit" |
| nī 1 U नी "führen" | nīti f. नीति | "das Führen, Führung, Betragen" |
| sṛj 6 P सृज् "emanieren lassen" | sṛṣṭi f. सृष्टि | "Emanation, Schöpfung" |
| dṛś 4 P दृश् "sehen" | dṛṣṭi f. दृष्टि | "Blick, Gesicht, Sehweise" |
| gam 1 P गम् "gehen" | gati f. गति | "Gang, Laufbahn, Ziel des Gehens" (aus *gm » ga + -ti) |
| man 4 Ā मन् "denken" | mati f. मति | "Denken, Gedanke, Meinung" (aus *mn » ma + -ti) |
*Anmerkung: * vor einer Form bedeutet, dass diese Form im Sanskrit nicht vorkommt, sondern theoretisch erschlossen ist als Voraussetzung für eine bestimmte Bildung. Die Tiefstufe von gam ist gṃ = *gm, das m wird als sogenannte nasalis sonans durch a ersetzt » ga. Analoges gilt für man » ma.
Die taddhita-Suffixe -tva n. bzw. -tā f. bilden abstrakte Substantive zu Nomina. Die Form des zugrundeliegenden Nominalstamms bleibt unverändert.
Beispiele:
| Nominalstamm नामप्रातिपदिक | + -tva n. (taddhita) | + -tā f. (taddhita) | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| guru गुरु 3 "schwer, würdig, m. Meister" | gurutva n. गुरुत्व | gurutā f. गुरुता | "Schwere, Ehrwürdigkeit, Das Lehrersein (Wesen oder Natur eines Lehrers)" |
| brāhmaṇa ब्राह्मण m. "Brahmane" | brāhmaṇatva n. ब्राह्मणत्व | brāhmaṇatā f. ब्राह्मणता | "das Brahmane-sein, was einen Brahmanen zum Brahmanen macht, Wesen / Natur eines Brahmanen" |
| deva देव m. "Himmlischer, Gott" | — | devatā f. देवता | "Gottheit" |
Diese Bildungen können praktisch zu jedem Nomen gebildet werden und sind in wissenschaftlichen Sanskritwerken sehr häufig.
Stammbildung:
Beispiel tan 8 U (तन्) "dehnen":
Anmerkung: Zum Streit, ob tan eigentlich eine Wurzel der 5. Klasse ist (*tn » ta + no-), vgl. Thumb-Hauschild, Handbuch des Sanskrit II, 265.
Die wichtigste Wurzel der 8. Klasse ist kṛ 8 U (कृ) "tun, machen". Ihre Konjugation ist unregelmässig:
kṛ 8 U (कृ) "machen, tun"
Lernen Sie folgende Wörter:

Abb.: likh (लिख्) : Indischer Schreibgriffel aus Stahl zum Einritzen in Palmblätter
(Bildquelle: Details)

Abb.: likh (लिख्) : Schreibstöckchen der Batak (Sumatra), wie es vermutlich auch in Indien gebräuchlich war
(Bildquelle: Details)
A) Erklären Sie die folgenden Nomina durch Angabe der Wurzel, von der abgeleitet wurde, und des Nominalsuffixes. Geben Sie Geschlecht und Bedeutung an:
B) Bilden Sie Abstrakta zu allen bisher gelernten Nomina und überlegen Sie deren Bedeutung (mündlich).
C) Setzen Sie als direktes Objekt im Singular und Plural ein:
D) Übersetzen Sie: