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Lektion 5

In dieser Lektion lernen Sie:

  • Grundlagen der Nominalkomposita (samāsa)
  • Fachterminologie für Komposita
  • Kopulative Komposita (Dvandva)
  • Die Reihenfolge der Glieder in Dvandvas

5.1. Nominalkomposita (samāsa m. = समास)

Die Bildung von Wortzusammensetzungen in sehr grossem Umfang ist ein Charakteristikum des Sanskrit.

Die wichtigsten Bildungsformen von Komposita sind:

  • kopulative Komposita (dvandva n. = द्वन्द्व)
  • determinative Komposita (tatpuruṣa m. = तत्पुरुष)
  • Possesivkomposita (bahuvrīhi m. = बहुव्रीहि)

(Zu den beiden letztgenannten siehe später!)

5.2. Zur Sanskrit-Terminologie für Komposita

  • ghaṭakapadāni n. pl. = घटकपदानि : Glieder eines Kompositums
  • vigrahavākyam n. = विग्रहवाक्यम् : Auflösung eines Kompositums
  • nityasamāsaḥ m. = नित्यसमासः : Kompositum, für das es kein vigrahavākya gibt oder dessen vigrahavākya nicht möglich ist mit den Wörtern des Kompositums.
  • aluksamāsaḥ m. = अलुक्समासः : Kompositum, in dem das Vorderglied eine Kasusendung behält
  • luksamāsaḥ m. = लुक्समासः : Kompositum, dessen Vorderglieder ohne Kasusendungen sind (der Normalfall)
  • madhyamapadalopī m. = मध्यमपदलोपी : Kompositum, in dem ein oder mehrere mittlere Glieder ausgelassen werden

5.3. Kopulative Komposita (Dvandva n. = द्वन्द्व)

Die kopulativen Komposita dienen zur Verknüpfung von grammatisch gleichartigen, koordinierten Gliedern (Substantiven oder Adjektiven).

Ein Dvandva bezeichnet:

  1. entweder die summative Verbindung der durch seine einzelnen Glieder bezeichneten Personen, Dinge, Eigenschaften:
    Itaretaradvandva = इतरेतरद्वन्द्व

  2. oder es fasst diese Personen, Dinge oder Eigenschaften zu einer Einheit zusammen:
    Samāhāradvandva ("Zusammenfassungsdvandva") = समाहारद्वन्द्व

Im ersten Fall (Itaretaradvandva):
Das Dvandva erhält das grammatische Geschlecht seines letzten Gliedes und die Endungen des Duals (bei zwei Dingen) bzw. des Plurals (bei mehr als zwei Dingen). Auch Singularendungen sind zulässig.

Im zweiten Fall (Samāhāradvandva):
Das Dvandva ist im Allgemeinen ein Neutrum (unabhängig vom Geschlecht des letzten Gliedes) und steht im Singular.

Die Auflösung:
Erfolgt mit "und" (ca = ), gelegentlich mit "oder" ( = वा) oder "je".

Zu den Dualdvandva siehe später!

5.3.1. Vorderglieder von Komposita

Die Vorderglieder von Komposita (nicht nur Dvandvas) haben in der Regel die Form des unveränderten Nominalstamms. Die einzelnen Glieder von Komposita werden nach den Regeln des Satzsandhi verbunden (d.h. des Sandhi, den wir bisher kennengelernt haben, im Gegensatz zum Wortsandhi, der innerhalb des Wortes vor formativen Elementen Anwendung findet).

5.3.2. Plural-Itaretaradvandva

Beispiele für Pluraldvandva:

brāhmaṇa-kṣatriya-vaiśya-śūdrāḥ = ब्राह्मणक्षत्रियवैश्यशूद्राः

= brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāś ca = ब्राह्मणाः क्षत्रिया वैश्याः शूद्राश्च
(Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras)

oder = brāhmaṇaḥ kṣatriyo vaiśyaḥ śūdraś ca = ब्राह्मणः क्षत्रियो वैश्यः शूद्रश्च
((ein/der) Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya und Śūdra)

kavi-guravaḥ = कविगुरवः

= kavayo guravaś ca = कवयो गुरवश्च
(Dichter und Lehrer [Plur.])
(Anmerkung: "Ein Dichter und ein Lehrer" müsste im Dual stehen!)

Für die Reihenfolge der Glieder in einem Dvandva gelten u.a. folgende Regeln:

  • Die Bezeichnung der verschiedenen Stände (varṇa) soll gemäss ihrer Hierarchie (höchster zuerst) geordnet werden.
  • Der Name des älteren Bruders soll dem Namen des jüngeren Bruders vorangestellt werden.
  • Im Allgemeinen soll das wichtigere Wort an den Anfang gestellt werden.
  • Wörter, die auf -i oder -u enden, sollen vorausgehen.
  • Wörter, die auf -a enden und mit einem Vokal anfangen, sollen vorausgehen.
  • Wörter, die weniger Silben enthalten, sollen vorausgehen.

Wo zwei der drei letztgenannten Vorschriften gleichzeitig in Frage kommen können, soll immer die später gegebene Regel befolgt werden. (Beispiele von Dualdvandva zu diesen Regeln bei Kielhorn, Grammatik § 570).

5.4. Wortliste

Lernen Sie folgende Wörter:

abhiniveṣa m. = अभिनिवेष : Neigung zu, Hartnäckigkeit, Bestehen auf; speziell: Anhänglichkeit an den Leib als sei er etwas Eigenes.

kāma m. = काम : Wunsch, Begehren, erwünschte Gabe, Sinnenlust, Liebe; Liebesgott Kāma.


Abb.: Gott Kāma = kāmadeva = कामदेव, 18. Jhdt.
(Bildquelle: Wikipedia, Public domain)

krodha m. = क्रोध : Zorn.

kleśa m. = क्लेश : Qual, Plage.

trayī f. = त्रयी : Dreizahl; insbes. die drei Veden (Ṛgveda, Sāmaveda, Yajurveda).

daṇḍanīti f. = दण्डनीति : Politik (ein Tatpuruṣa aus daṇḍa m. = "Stock, Macht, Herrschaft, Strafe" und nīti f. = "rechte Führung").

dvijāti 3 / dvija 3 = द्विजाति / द्विज : Zweimalgeborener.

dveṣa m. = द्वेष : Hass.

maitrī f. = मैत्री : Freundschaft, Freundlichkeit, freundliches Wohlwollen.

rāga m. = राग : (rote) Farbe, Leidenschaft, Liebe.

lobha m. = लोभ : Gier, Habsucht.

varṇa m. = वर्ण : Farbe, Gattung, Stand.

vārttā f. = वार्त्ता : Erwerb, Ökonomie (Wirtschaft).

vidyā f. = विद्या : Wissen, Wissenschaft.

avidyā f. = अविद्या : Unwissenheit, Nichtwissen.

ca = : und.
(Wird dem Wort, welches es anknüpft, nachgestellt. Werden mehrere Wörter verknüpft, steht es idealerweise hinter dem ersten Wort des letzten Verknüpfungsgliedes: brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāś ca = ब्राह्मणाः क्षत्रिया वैश्याः शूद्राश्च).

ca ... ca = ... : sowohl ... als auch.

5.5. Übung

A) Übersetzen Sie folgende Sätze und Komposita und lösen Sie die darin vorkommenden Dvandvas in Sanskrit auf:

  1. catvāro varṇā brāhmaṇakṣatriyavaiśyaśūdrāḥ.
    (Āpastambīyadharmasūtra I,1,1,4 = Vāsiṣṭhadharmaśāstra II,1)
    चत्वारो वर्णा ब्राह्मणक्षत्रियवैश्यशूद्राः ॥
    (Erklärung: catvāras = चत्वारस् = "vier")

  2. trayo varṇā dvijātayo brāhmaṇakṣatriyavaiśyāḥ.
    (Vāsiṣṭhadharmaśāstra II,1)
    त्रयो वर्णा द्विजातयो ब्राह्मणक्षत्रियवैश्याः ॥
    (Erklärung: trayas = त्रयस् = "drei")

  3. sāmavedargvedayajurvedās trayī.
    (Kauṭilīya-arthaśāstra 1.3.1. / in gutem Sanskrit: sāmārgyajurvedās trayī)
    सामवेदर्ग्वेदयजुर्वेदास्त्रयी ॥
    (in gutem Sanskrit: सामार्यजुर्वेदास्त्रयी)

  4. Die drei Feinde des Menschen, die das Tor zur Hölle bilden (Viṣṇusmṛti 33,1+6):
    kāmakrodhalobhāḥ
    कामक्रोधलोभाः ॥

  5. maitrīkaruṇāmuditopekṣāś catvāro brahmavihārāḥ.
    मैत्रीकरुणामुदितोपेक्षाश्चत्वारो ब्रह्मविहाराः ॥
    (Erklärung: brahmavihāra: "Verweilungszustände Brahmas", auch "Unermessliche" genannt. Es sind buddhistische Meditationsformen.)

  6. avidyāsmitārāgadveṣābhiniveṣāḥ pañca kleśāḥ.
    (Yogasūtra 2,3)
    अविद्यास्मितारागद्वेषाभिनिवेषाः पञ्च क्लेशाः ॥
    (Erklärung: pañca = "fünf")

  7. ānvīkṣikītrayīvārttādaṇḍanitayo vidyāḥ.
    (Nach Kauṭilīya-arthaśāstra 1.2.1.)
    आन्वीक्षिकीत्रयीवार्त्तादण्डनितयो विद्याः ॥

5.6. Wiederholungsübung

A) Übersetzen Sie:

  1. vidyā vārttā.
    विद्या वार्त्ता ।

  2. brāhmaṇaḥ kṣatriyo vaiśyaś ca trayo varṇā dvijātayaḥ.
    ब्राह्मणः क्षत्रियो वैश्यश्च त्रयो वर्णा द्विजातयः ।

  3. dvijā vaiśyāḥ. (2 Möglichkeiten)
    द्विजा वैश्याः ।

B) Setzen Sie die entsprechende Form ein:

  1. (dvija, sādhu, kavi) ... rāmaḥ
    (द्विज, साधु, कवि) ... रामः ।

  2. (devī) ... indrāṇī
    (देवी) ... इन्द्राणी ।

  3. dvijātayas ... (vaiśyā, kṣatriya)
    द्विजातयस् ... (वैश्या, क्षत्रिय) |

C) Lösen Sie das Kompositum in folgendem Satz in Sanskrit auf und bilden Sie mit dieser aufgelösten Form denselben Satz:

sāmargyajurvedās trayī.
सामर्ग्यजुर्वेदास्त्रयी ।

D) Übersetzen Sie auf zwei Weisen ins Sanskrit (einmal mit einem Kompositum, einmal ohne):

"Verweilungszustände Brahmas" sind: freundliches Wohlwollen, Mitgefühl, Mitfreude, Gleichmut.

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