Übung 52
१. मनुस्मृति ४, १५९ - १६१
यद्यत्परवशं कर्म तत्तद्यत्नेन वर्जयेत् ।
यद्यदात्मवशं तु स्यात्तत्तत्सेवेत यत्नतः ॥ १५९ ॥
Jede Tat, die auf fremdem Willen beruht, vermeide man eifrig; was aber aus eigenem Willen geschieht, das pflege man eifrig.
सर्वं परवशं दुःखं सर्वमात्मवशं सुखम् ।
एतद्विद्यात्समासेन लक्षणं सुखदुःखयोः ॥ १६० ॥
Alles, was auf fremdem Willen beruht, ist leidvoll; alles, was auf eigenem Willen beruht, ist Glück. Das soll man zusammengefasst als das Merkmal von Glück und Leid kennen.
यत्कर्म कुर्वतो ऽस्य स्यात्परितोषो ऽन्तरात्मनः ।
तत्प्रयत्नेन कुर्वीत विपरीतं तु वर्जयेत् ॥ १६१ ॥
Was, wenn man es tut, zur inneren Befriedigung gereicht, das soll man eifrig tun; Gegenteiliges aber unterlasse man.

Abb.: सर्वं परवशं दुःखम्
(Bildquelle: Details)
२. मनुस्मृति २, ६: Über die Quellen des धर्म
वेदो ऽखिलो धर्ममूलं स्मृतिशीले च तद्विदाम् ।
आचारश्चैव साधूनामात्मनस्तुष्टिरेव च ॥ ६ ॥
Die Wurzel des Dharma ist:
- der gesamte Veda
- die Überlieferung und die Sitte der Vedakundigen
- das Verhalten der Guten
- die Zufriedenheit der Seele
३. कौटिलीयार्थशास्त्र १, ७, २ - ७: Über अर्थ, काम, धर्म im Leben des Fürsten
एवं वश्येन्द्रियः परस्त्रीद्रव्यहिंसाश्च वर्जयेत्, स्वप्नं लौल्यमनृतमुद्धतवेषत्वमनर्थ्यसंयोगमधर्मसंयुक्तमनर्थसंयुक्तं च व्यवहारम् ॥ २ ॥
धर्मार्थाविरोधेन कामं सेवेत, न निःसुखः स्यात् ॥ ३ ॥
समं वा त्रिवर्गमन्योन्यानुबद्धम् ॥ ४ ॥
एको ह्यत्यासेवितो धर्मार्थकामानामात्मानमितरौ च पीदयति ॥ ५ ॥
अर्थ एव प्रधान इति कौटिल्यः ॥ ६ ॥
अर्थमूलौ हि धर्मकामाविति ॥ ७ ॥
So halte er seine Sinne unter Kontrolle, meide fremde Frauen, fremdes Gut und Gewalt, und vermeide Schlaf, Lüsternheit, Lüge, Geckenhaftigkeit, Unnützes und unrechte oder unnütze Geschäfte. Er gebe sich der Lust hin, ohne dass dadurch Recht und zweckrationales Verhalten gestört werden; er sei nicht freudlos. Oder er pflege gleichmässig alle drei Lebensziele, die miteinander verbunden sind. Wenn man sich nämlich einem von Recht und Sitte, zweckrationalem Verhalten und Lust übermässig hingibt, dann bedrückt das die Seele und die beiden anderen Ziele. Kauṭilya sagt, dass zweckrationales Verhalten (Artha) das Wichtigste ist. Recht und Sitte sowie Lust wurzeln nämlich in zweckrationalem Handeln.
४. अश्वघोष (२. Jhdt. n. Chr.): बुद्धचरित ४
Buddhas erlösende Erkenntnis:
ततो मारबलं जित्वा धैर्येण च शमेन च ।
परमार्थं विजिज्ञासुः स दद्ध्यौ ध्यानकोविदः ॥ १ ॥
Als er mit Festigkeit und Ruhe das Heer Māras besiegt hatte, wollte der in Meditation Erfahrene die höchste Wahrheit und Wirklichkeit völlig erkennen und meditierte.
सर्वेषु ध्यानविधिषु प्राप्य चैश्वर्यमुत्तमम् ।
सस्मार प्रथमे यामे पूर्वजन्मपरंपराम् ॥ २ ॥
Er brachte es zur höchsten Meisterschaft in allen Meditationsmethoden und erinnerte sich in der ersten Nachtwache an die ununterbrochene Abfolge seiner Wiedergeburten.
अमुत्राहमयं नाम च्युतस्तस्मादिहागतः ।
इति जन्मसहस्राणि सस्मारानुभवन्निव ॥ ३ ॥
"Dort war ich der So-und-so, von dort geschieden bin ich hierher gekommen" – so erinnerte er sich an Tausende von Geburten, so als ob er sie gerade erfahren würde.
स्मृत्वा जन्म च मृत्युं च तासु तासूपपत्तिषु ।
ततः सत्त्वेषु कारुण्यं चकार करुणात्मकः ॥ ४ ॥
Als er sich so an Geburt und Tod in diesen verschiedenen Existenzen erinnert hatte, entfaltete er gegenüber den Wesen Mitgefühl, er, dessen Wesen Mitgefühl ist.
कृत्वेह स्वजनोत्सर्गं पुनरन्यत्र च कृत्वा ।
अत्राणः खलु लोको ऽयं परिभ्रमति चक्रवत् ॥ ५ ॥
Wahrlich, diese Welt ist ohne Rettung und irrt herum wie ein Rad: sie entlässt ihre Geschöpfe hier und dann wieder dort.
इत्येवं स्मरतस्तस्य बभूव नियतात्मनः ।
कदलीगर्भनिःसारः संसार इति निश्चयः ॥ ६ ॥
Als er sich entschlossenen Herzens so erinnerte, kam er zur festen Erkenntnis: Der Lauf der Wiedergeburten ist ohne Mark und Kern wie das Innere einer Bananenpflanze.
द्वितीये त्वागते यामे सो ऽद्वितीयपराक्रमः ।
दिव्यं लेभे परं चक्षुः सर्वचक्षुष्मतां वरः ॥ ७ ॥
Als die zweite Nachtwache gekommen war, hat er, dessen Macht wie die keines Zweiten ist, das höchste himmlische Auge bekommen, er, der Beste aller, die ein Auge haben.
ततस्तेन स दिव्येन परिशुद्धेन चक्षुषा ।
ददर्श निखिलं लोकम् आदर्श इव निर्मले ॥ ८ ॥
Dann sah er mit diesem völlig reinen himmlischen Auge die ganze Welt wie in einem makellosen Spiegel.
सत्त्वानां पश्यतस्तस्य निकृष्टोत्कृष्टकर्मणाम् ।
प्रच्युतिं चोपपत्तिं च ववृधे करुणात्मता ॥ ९ ॥
Als er das Vergehen und Entstehen der Wesen sah, die gutes oder schlechtes Karma hatten, da wuchs das Mitgefühl in seinem Herzen.
इमे दुष्कृतकर्माणः प्राणिनो यान्ति दुर्गतिम् ।
इमे ऽन्ये शुभकर्माणः प्रतिष्ठन्ते त्रिविष्टपे ॥ १० ॥
"Diese Lebewesen, die böse Taten begangen haben, gehen in eine schlechte Existenz; diese anderen, die gutes Karma haben, entstehen wieder in Indras Himmel."

Abb.: कदलीगर्भनिःसारः
(Bildquelle: Details)
